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Mittwoch, 23. November 2011

"Ach..."

sagt die Frau, als sie außerhalb meiner Ladenöffnungszeiten an meine Wohnzimmertür klopft, weil sie ihre bestellte Wolle abholen will. "...wir waren gerade unterwegs. Ich habe gar nicht mehr auf den Flyer mit den Zeiten geschaut." Dann legt sie mir abgezählte 16 Euro für die Wolle hin, die 16,90 Euro kostet. "Ach..., ich habe extra auf die Quittung zuhause geschaut." Sie zählt mir die letzten 50 Cent aus ihrem Geldbeutel hin. Ich sage: "Dann halt beim nächsten Mal." Und dann geht sie und ich bleibe ein wenig sprachlos zurück. Weil ich noch etwas erwartet habe. Ein "Entschuldigung, dass ich sie gestört habe!", "Danke für´s Bestellen!", oder "Tut mir leid, dass ich nicht genug Geld dabei hatte, ich bringe den Rest bald vorbei." Das alles hätte ich jedenfalls gesagt. Und ich hoffe meine Kinder sagen es in vergleichbaren Situationen. Versteht mich nicht falsch, ich öffne meinen Laden gerne jederzeit auf Anfrage - das ist ja auch in meinem Interesse. Und es ist klar, dass meine Öffnungszeiten manchmal einfach nicht passen. Ich habe auch kein Problem damit, mal beim Preis großzügig zu sein, oder anzuschreiben. Das ist für mich selbstverständlich, gehört zu meinem Service, meinem Verständnis davon, wie ich meinen Laden betreiben möchte. Mit einem hochgestochenen Wort ausgedrückt - das ist meine "Betriebsphilosophie". Und zwar nicht, weil ich es muss, sondern weil ich so sein möchte! Genauso habe ich aber auch Hoffnungen und Erwartungen. Natürlich die Hoffnung, dass sich der Laden irgendwann trägt - aber erst einmal, dass meine Kundinnen vielleicht den Unterschied spüren. Dass sie sich wohlfühlen, dass sie wiederkommen. Weil es bei mir schön ist, weil es schöne Dinge gibt! Weil Bine und ich freundlich zu ihnen sind. Und auf alle Fälle die Erwartung, dass man mich, bzw. uns auch mit Respekt und Wertschätzung behandelt. Sicher werden jetzt einige sagen: "Du arbeitest im Einzelhandel - vergiss es ganz schnell!" Ich weiß! Aber diese Erwartung will ich nicht aufgeben! Und freue mich jetzt schon auf jede nette Begegnung im WollTraum!

Kommentare:

  1. Hallo liebe Susanne,
    leider scheint ein nettes Danke schön oder eine kleine Entschuldigung häufig nicht mehr "chic" zu sein oder so.
    Sehr, sehr schade eigentlich, noch dazu wenn es in einem kleinen, feinen und mit viel Liebe und Engagement geführten Lädchen wie Deinem nicht über die Lippen kommt.
    Ich weiß jetzt zwar nicht, ob es eine Stammkundin von Dir ist, aber ich könnte fast wetten, dass Du den Rest nicht bekommst :-( Aber vielleicht irre ich mich, was mich sehr freuen würde.

    Noch mehr freue ich mich, wenn ich es endlich mal schaffe, bei Dir vorbei zu kommen. Das muss doch irgendwann mal klappen...

    Viele liebe Grüße und denke an die vielen anderen KundInnen, die Dich und Deine Bemühungen mit dem angemessenen Respekt Wert schätzen...

    Dani

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  2. Ja, wir geben die Hoffnung nicht auf, denn wir haben sie schon kennen gelernt: es gibt sie, die Frauen, die so sind wie wir. Die Sinn für das Schöne haben und denen beim Betreten des WollTraums ein Lächeln ins Gesicht gezaubert wird die sofort merken das ist "das andere Wollgeschäft".
    ♥ Grüße
    Bine

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  3. Ich wäre sicher so eine Frau, die grinse würde wie ein Honigkuchenpferd *ggg*
    Vielleicht war die Frau aber auch einfach überfordert mit deinem tollen Service - weil ehrlich, wo gibts das noch, dass ausserhalb der Öffnungszeiten jemand aufmacht und dann auch noch die Ware rausrückt, wenn man sie nicht ganz bezahlen kann? ;)

    Gib auf jedenfall die Hoffnung nie auf!

    Liebe Grüße nima

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  4. Das kann ich mir gut vorstellen, dass du da ein bisschen merkwürdig bewegt bist von dieser Situation. Es ist einfach ein bissche Höflichkeit und Menschenwärme, die gut täte zu "bekommen". Aber sehr oft im Leben ist das leider nicht der Fall. Da "gibt" man und vom Gleichgewicht "geben und nehmen" ist nicht viel bemerkbar (mal auf der Gefühlsebene gesprochen).
    Ich find es jedenfalls wunderbar, wie du deine "Unternehmensphilosophie" lebst. Wäre ich irgendwo in deiner Nähe, tät cih soooo gern mal vorbeikommen. Alles alles Liebe. maria

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  5. Ich musste erstmal über das "ach" schmunzeln, denn meine Mutter kann dieses Wörtchen - sehr zu meinem Unmut - zu jedem Thema anbringen.

    Solche Menschen wie Deine Kundin begegnen mir in meinem Berufsleben leider täglich und es ist manchmal nicht so einfach, das an sich abprallen zu lassen.

    Deine Unternehmensphilosophie ist ganz bestimmt die Richtige und ich wünsche Dir viele Kundinnen, die Freude daran und an den schönen Dingen in Deinem Laden haben.

    Es ist wirklich schade, dass wir an den entgegengesetzten Enden von Bayern sind, ich würde auch sehr gerne mal bei Dir vorbeikommen.
    Mh, vielleicht sollte ich mal eine Bayern-Woll-Tour machen :)

    Liebe Grüße von Christine

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  6. Danke für Eure lieben Kommentare! Solche Kundinnen wie Euch hätte ich wirklich gerne. Vielleicht sollte ich Woll-Reisen organisieren!?

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  7. :))

    Super Idee, und bitte mit "Frühbucher-Rabatt" ...

    Schönen 1. Advent wünscht Christine

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